Aus:
Klatschmarsch, Abmarsch, Frohes Fest
Willi Hölzgen
Geschichte(n) einer Präsidentschaft


Paraplü, Päd en Persiflage
Die Zeit als Ansager beim Schnäuzer Ballett

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„Zwei Dinge waren in meiner Präsidentschaft für mich persönlich die wichtigsten: die Einführung der Boore-Sitzung und die Gründung des Schnäuzer Balletts“, resümiert Willi Hölzgen. Im Oktober 1975 wurde das erste rechtsrheinische Männerballett aus der Taufe gehoben, nach einer Idee von Heiner Mühr, der damals nicht nur Vorsitzender der KG Uhu, sondern – so Willi Hölzgen – auch der kreativste Kopf war, der vor guten Ideen nur so sprühte.

„Wir müssen was Neues machen“, war der innere Antrieb, die Gruppe „Schnorreswackler“ aus Frankfurt mit den großen Schnurrbärten gaben die optische Vorlage. Die Schnäuzer aus Dellbrück wollten tanzen und so traf man sich zum Training im Herbst 1975 bei Peter und Hilde Schnitzler, die ein Tanzstudio am Hohenzollernring hatten, jedoch entsetzt über die tänzerischen Fähigkeiten der ambitionierten Balletttänzer waren. „Wat häste mer dann do anjeschlepp?“, lautete die vorwurfsvolle Frage an Heiner Mühr, die sogleich in Motivation der Truppe umschwenkte: „Nit nor e bissche doll, JECK möht Ihr sin!“ – über viele Jahre ein geflügeltes Bonmot bei den Schnäuzern, die ihre eigene tänzerische Beschränktheit immer mit großer Toleranz ertrugen. Denn weder Charaktertanz noch Arabesque hatten die Gründer im Sinn: „Wir wollten eine Persiflage auf die Traditionskorps der Karnevalsgesellschaften geben“, so die Grundidee.

Natürlich brauchte es ein unverwechselbares Kostüm: Dreispitz, Brille, Schnäuzer, Gehrock, ¾-lange weiße Hose, rote Stutzen, schwarze Schuhe, weiße Handschuhe und ein rot-weißer Paraplü, eine Idee von Heiner Mühr und Uli Remmel. Die Brille hatte Willi ohnehin schon auf der Nase: Mit Übernahme seiner Präsidentschaft 1970 war die runde Nickelbrille seines Großonkels sein Markenzeichen auf der Bühne. Mit dem Schnäuzer war es da schon schwieriger. Klebte er ihn die ersten Jahre noch mühevoll aber wenig wirkungsvoll an, ließ er ihn später eigens für die Schnäuzer wachsen: „Der 1. Dezember war für mich der Stichtag.“(...)